
Jagdliches & Rasse
Welche Eigenschaften hat ein Bayerischer Gebirgsschweißhund?
Der Bayerische Gebirgsschweißhund ist ein Vollblut-Jagdhund mit hellwachen Sinnen, aber ohne Nervosität. Solange er keine Fährte in der Nase hat, besticht er durch ein bedächtiges, ruhiges, selbstbewusstes und zugleich äußerst sanftmütiges Wesen. Es strahlt auf uns Menschen Entschleunigung pur aus. Der offizielle Standard beschreibt sein Wesen wie folgt:
Ruhig und ausgeglichen; anhänglich gegenüber seinem Besitzer, zurückhaltend gegenüber Fremden. Gefordert wird ein in sich gefestigter, selbstsicherer, unerschrockener und leichtführiger Hund, der weder scheu noch aggressiv ist.
Der Bayerische Gebirgsschweißhund ist ein hoch leistungsfähiger Arbeitshund, der seinen Aufgaben gewissenhaft und mit größtem Engagement nachkommt. Er hat einen starken Spurtrieb und ist Meister der Nachsuche. Zusammen mit ihm die Natur zu erkunden, ist ein ganz besonderes Erlebnis und Glück. Der professionell geführte Bayerische Gebirgsschweißhund ist zudem ein sehr guter Familienhund mit einem sanftmütigen Wesen. Aber er ist kein gelernter Familienhund, gehört in jagdliche Hand und ist zudem keiner für Anfänger.
Herkunft & Geschichte
Wo kommt der Bayerische Gebirgsschweißhund ursprünglich her?
Der Bayerische Gebirgsschweißhund ist ein mittelgroßer Jagdhund. Er ist ein hochentwickelter Spezialist, doch zugleich vielseitig in der Jagd einsetzbar. Die Fährtenarbeit ist sein Spezialgebiet. Er meistert das Suchen und Hetzen und besonders die Nachsuche. Bei der Nachsuche verfolgt er die Wundfährte des angeschossenen Wildes. Ein schnelle und zielsichere Arbeit des Hundes ist entscheidend, um das Leid des Beutetieres zu vermindern. Der Bayerische Gebirgsschweißhund geht auf uralte Hunderassen zurück. Die Schweißhunde werden auch „Bracken“ genannt. Für die Jagd, die für unsere Vorfahren über tausende von Jahren hinweg eine wichtige Lebensgrundlage war, waren Hunde mit einer besonders guten Nase und einem intelligenten Spürsinn von elementarer Bedeutung. Auch für die Verbrecherjagd waren Schweißhunde unverzichtbar. Den Germanen war ein guter Schweißhund mehr wert als ein Pferd. Das bezeugt ein über 1000 Jahre alter Gesetzestext, die Lex Baiuwariorum. Eine Urkunde aus dem Jahr 1459 bezeugt später die Scheckung von Bracken an das Kloster Tegrinsee (heute Tegernsee) durch einen Graf Kaspar Törring. Der Graf züchtete Bracken schon damals systematisch nach Zuchtbuch. Der heutige Bayerische Gebirgsschweißhund stammt auch von diesen Bracken ab. 1870 züchtete man den Hannoverschen Schweißhund ein. So entstand ein moderner, vielseitiger Helfer für den Förster und Berufsjäger. Die Hunde mussten sich durch höchste jagdliche Leistungen auszeichnen. Zugleich mussten sie mit den harten Bedingungen des Gebirges zurechtkommen. Ihnen durften scharfe Steine ebenso wenig ausmachen wie die hohen Anforderungen an seine Kletterfähigkeit, Unwetter oder Schneetreiben. 1883 fand die erste offizielle Ausstellung des Bayerischen Gebirgsschweißhundes statt. 1912 entstand der Klub für Bayerische Gebirgsschweißhunde, der diese Hunde seither sehr erfolgreich betreut. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete man dem genetischen Flaschenhals entgegen, indem man Tiroler Bracken einkreuzte. Der Bayerische Gebirgsschweißhund ist zwar sehr selten aber in ganz Deutschland verbreitet. Seine Zucht wird ausgesprochen verantwortungsbewusst organisiert. Zur Vermeidung von „Elite- oder Champion Zucht“ wird die Nachkommen zahl eines Zuchthundes auf 18 bis 20 beschränkt. Umgekehrt soll aus jedem gezüchteten Wurf mindestens ein Tier wieder in die Zucht aufgenommen werden, vorausgesetzt es gibt keinerlei Anzeichen für Erbkrankheiten. Darüber hinaus darf sowieso nur mit Hunden gezüchtet werden, die die vielen Leistungsprüfungen gemeistert haben. Die Zucht des Bayerischen Gebirgsschweißhundes steht als Vorbild, als Blaupause, wie wir gesunde und wesensstarke Rassehunde züchten können – und das sogar bei einer zahlenmäßig sehr kleinen Population. Würde in der ganzen Hundezucht nach solchen gearbeitet, wären Qualzucht ein Fremdwort und viele Veterinäre arbeitslos. Gezüchtet werden pro Jahr etwa 10 bis 12 Würfe mit 60 bis 80 Welpen. Diese gehen fast ausschließlich in professionelle Hände von Förstern und Berufsjägern.

